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KI im Gesundheitswesen„Googeln war gestern – jetzt ist die KI der bessere Doc!“

31.03.2025Ausgabe 4/20253min. Lesedauer

Digitale Technologien erobern das Gesundheitswesen. Doch nicht alle Ärztinnen und Ärzte betrachten sie als Bereicherung. Dr. med. Alexandra Widmer möchte das ändern. Auf ihrer Plattform docsdigital (docsdigital.de) stellt sie digitale Tools vor, die nicht nur die Patientenversorgung verbessern, sondern auch einen Nutzen für Ärzte haben. Ursula Katthöfer (textwiese.com) sprach mit ihr.

Redaktion: Um aus den analogen Gewohnheiten auszubrechen und weitere digitale Technologien einzuführen, fehlen den Arztpraxen oft die Ressourcen. Was empfehlen Sie, um sich für den Wandel zu begeistern?

Dr. Widmer: Praxisinhaber sollten nicht gleich den gesamten Praxisablauf umstellen, sondern mit einer kleinen, effektvollen Lösung anfangen. Die KI-Dokumentation während der Patientengespräche ist beispielsweise einfach und gleichzeitig sehr entlastend. Die KI hört mit, man schreibt nicht mehr. Auch KI-Assistenten, die Anrufe der Patienten entgegennehmen, funktionieren inzwischen phantastisch gut. Ich kenne Praxen, in denen es keine Telefone mehr gibt. Dort ist es sehr still. Wenn Telefonate geführt werden, dann aus dem Homeoffice. Andere Tools überprüfen automatisiert die Abrechnung. Irgendwann werden wir die Abrechnung durch den Menschen nicht mehr brauchen.

Redaktion: Was leisten diese Abrechnungs-Tools?

Dr. Widmer: Sie automatisieren Routineaufgaben, verbessern die Genauigkeit, sind schnell und effizient. Die Fehlerquote sinkt, weil sich menschliche Fehler bei Dateneingabe und -verarbeitung erübrigen. Da die gesetzlichen Richtlinien und Standards hinterlegt sind, kann die Praxis die Compliance einhalten. MFAs schätzen die einfache Handhabung. Ärzte und Patienten sind dankbar für die klare Übersicht über die Behandlungskosten. Die erwähnten KI-Assistenten, die ein Patientengespräch aufzeichnen, können in Zukunft auch Daten für die Abrechnung liefern.

Redaktion: Dennoch sind viele Praxisteams gegenüber digitalen Tools zurückhaltend. Was ließe sich ändern?

Dr. Widmer: Entscheidend ist, dass der Praxisinhaber von den digitalen Lösungen überzeugt ist. Wenn Arzt oder Ärztin vorangehen, folgt das Team. Wenn das Telefon nicht mehr dauernd klingelt, spürt das Team die Entlastung sofort und muss nicht weiter überzeugt werden. Auch für das Aufgabenmanagement eignen sich digitale Tools, es ist transparent und strukturiert. Post-its müssen nicht mehr am Bildschirm kleben, Zettel und Exceltabellen fallen weg.

Redaktion: Könnten Sie am Beispiel des Dienstplans erläutern, warum auf Papier verzichtet werden kann?

Dr. Widmer: Bei digitalen Dienstplänen werden die Mitarbeitenden mit ihrer Stundenzahl und Parametern wie Berufsschultagen und Urlaubszeiten hinterlegt. Außerdem werden die Rahmenbedingungen der Praxis gespeichert, etwa Öffnungszeiten oder spezielle Zeiten, z. B. für die Mammadiagnostik. Das Programm legt die Kalender der Mitarbeitenden übereinander und macht einen Vorschlag für den Dienstplan. Es gleicht ab, wann wie viele Personen anwesend sind und zeigt automatisiert Lücken sowie Überkapazitäten auf. Wenn an einem Tag Personal fehlt, kann die Praxis früh reagieren.

Redaktion: Wie kann ein Praxisinhaber sicherstellen, dass Investitionen in neue Technologie nicht bald wieder veraltet sind?

Dr. Widmer: Technologie ist immer im Fluss. Damit können Ärzte, die sich gerne auf evidenzbasiertes Wissen verlassen, noch nicht gut umgehen. Doch muss sich niemand Sorgen machen. Viele digitale Lösungen sind cloudbasiert, Updates werden aus der Ferne aufgespielt. Gute Anbieter kommen in die Praxen, um das Personal zu schulen. Wir können mehr Zeit für unsere Patienten haben, wenn wir die Digitalisierung klug nutzen.

Redaktion: Könnte KI die Ärzte irgendwann ersetzen?

Dr. Widmer: Googeln war gestern. Heute befragen Patienten die KI als den besseren Doc. KI wird die Ärzteschaft nicht ersetzen. Doch es wird so sein, dass die Ärztinnen und Ärzte, die KI nutzen, die Ärzte verdrängen, die keine digitalen Lösungen anwenden. Wir erleben derzeit einen revolutionären Wandel der ärztlichen Rolle, der die Medizin auf den Kopf stellt.

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